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Kinostart 06. Dezember 2007

Der türkisch-kurdische Konflikt

Das Osmanische Reich herrschte ab dem 16. Jh. auf drei Kontinenten: Vorderasien, Nordafrika und Balkan. Ein Vielvölkerstaat, aus dem die heutige Türkei hervorging.
Im Laufe der Bildung der Türkischen Nation fand 1915 das erste Massaker in der Menschheitsgeschichte statt: Der Genozid an den Armeniern. Der Genozid wird in der Türkei noch bis heute geleugnet. Kurden waren nicht unwesentlich an ihm beteiligt.  Die Kemalisten unter der Führung von Atatürk (Vater der Türken) gründeten 1923 eine westlich orientierte, laizistische Republik, die auf den Grundidealen „Ein Staat, eine Sprache, eine Religion, eine Nation“ basierte. Nicht nur die Kurden, auch andere ethnische und religiöse Minderheiten mussten stark unter dieser Ideologie leiden. Ihre Existenz, Sprache und Kultur wurden durch die neuen Machthaber rigoros verleugnet. Daraufhin kam es schon in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts zu mehreren kurdischen Aufständen, die blutig niedergeschlagen wurden.

Die Kurden sind eines der ältesten Völker Mesopotamiens. Doch trotz ihrer ca. 40 Millionen Menschen haben sie immer noch keinen Staat oder anerkannten Status. Die meisten von ihnen, etwas 25 Millionen, leben in der heutigen Türkei. Bis vor einigen Jahren durfte man sich in der Türkei weder als Kurde bezeichnen, noch die Sprache sprechen.

Die 1978 gegründete PKK begann im August 1984 unter der Führung von Abdullah Öcalan im kurdischen Teil der Türkei mit dem bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat. Er dauerte bis zur Verhaftung Öcalans im Februar 1999 an. Anfangs war das Ziel die Errichtung eines unabhängigen kurdischen Staates im Osten und Südosten der Türkei. In den Neunziger Jahren erreichten die bewaffneten Auseinandersetzungen dieses „schmutzigen Krieges“ ihren Höhepunkt. Massenhafte Verhaftungen und Folter standen auf der Tagesordnung. Die staatlichen Sicherheitsorgane warfen dabei alle Regeln über Bord. Unaufgeklärte Morde, Verschleppungen der Oppositionellen und Folterungen waren alltäglich. Die Medien im Lande verschwiegen die Gewalt, die von der kurdischen PKK und vom türkischen Militär, der Polizei und der vom Staat eingesetzten paramilitärischen Einheiten begangen wurde.
Dem „schmutzigen Krieg“, der 14 Jahre andauerte, fielen nach inoffiziellen Zahlen 100.000 vor allem junge Menschen zum Opfer – auf beiden Seiten. Fünf Millionen mussten bis heute aus ihren Heimatstädten und -dörfern fliehen. Die militärischen Einsätze im kurdischen Teil der Türkei dauern bis heute an.

Inzwischen ist die PKK von ihrem anfänglichen Ziel abgerückt. Sie plädiert für eine kulturelle Autonomie für Kurden und einen politischen Föderalismus, der im Zuge des Beitritts der Türkei in die Europäische Gemeinschaft - so die Hoffnung - eingeleitet werden könnte. Trotzdem hält sich immer noch eine Truppe von drei- bis viertausend militanten Kämpfern an der iranischen Grenze im Nordirak auf. Sie warten auf eine politische Generalamnestie, aber auch darauf, dass sich in der Kurdenfrage in der Türkei etwas bewegt.

Im Nordirak wurde nach der Besatzung des Iraks durch die alliierten Streitkräfte die schon bestehende Föderative Kurdische Regionalverwaltung gefestigt. Deren Hauptstadt ist Arbil (Hewler). Diese neue Situation im Nordirak wird als ein wichtiger Schritt bei der Errichtung eines unabhängigen Kurdistans betrachtet. Viele Kurden im europäischen Exil, ehemalige PKK-Militante, die sich von der Organisation politisch losgelöst haben, setzen sich in den Nordirak ab. Dort sind große Flüchtlingslager entstanden, u.a. das Lager Maxmur. Anders als im Rest des Iraks herrscht in den kurdischen Gebieten im Irak Sicherheit und die Wirtschaft wächst enorm. Aber das beeinflusst das Leben der Flüchtlinge in Maxmur kaum. Sie sind weder als Flüchtlinge anerkannt noch sind sie der neuen kurdischen Regionalverwaltung unterstellt.. Sie warten auf ein politisches Signal aus Ankara. Sie hoffen, eines Tages doch noch in ihre von den türkischen Sicherheitskräften zerstörten Dörfer nahe der türkisch-irakischen Grenze zurückzukehren und sie erneut aufzubauen.


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